Being Human. Wie unser Körper Weltgeschichte schrieb

Der 1980 geborene Lewis Dartnell ist promovierter Astrobiologe und seit 2016 Professor für Wissenschaftskommunikation an der University of Westminster in London-Fitzrovia. Er veröffentlichte die Bücher »Das Handbuch für den Neustart der Welt« (2014) und »Ursprünge. Wie die Erde uns erschaffen hat« (2019). (Foto: Davina Bristow)

Wir sind Körper

Der englische Astrobiologe und Wissenschaftskommunikations-Professor Lewis Dartnell über den menschlichen Körper und dessen Weltgeschichte, Evolutionskompromisse und staunenswertes Erbe

2019 begann Lewis Dartnell sein Buch »Ursprünge. Wie die Erde uns erschaffen hat« mit dem Satz »Wir sind Affen«. Er beendete es mit dem Gedanken »Wir sind Geschöpfe der Erde.« Drehte sich dieser Band um das Zerbrechen von Kontinenten und Klimaveränderungen in der Urgeschichte, auf dass die Erde anders aussah, sich anders entwickelte und der Mensch zu wandern begann, sich über den Globus verstreute auf der Suche nach evolutionär vielversprechenden Lebenszonen, so widmet er sich in »Being Human« Fleisch gewordener Historie, dem menschlichen Körper. Die humane Physiologie ist ein Wunder der Evolution, fein getunt, subtil abgestimmt auf Überleben und Kontrolle, zu sprachlicher Kommunikation mehr als befähigt und dabei in sich staunenswert geschützt. »Wir Menschen sind eine hochintelligente und mit einzigartigen Fähigkeiten ausgestattete Affenspezies. Nicht nur unser komplexes Gehirn ist ein Wunder der Evolution, auch unser Körper ist eine technische Meisterleistung.« Andererseits haben sich evolutionäre Veränderungen nicht unbedingt als Verbesserung erwiesen. Der aufrechte Gang belastet die Knie, das Rückgrat ist für das Gewicht des Schädels wie des restlichen Körpers zu schwach ausgeprägt, so dass Menschen an Rückenschmerzen leiden. An Hand- und Fußgelenken gibt es sinnlose, übriggebliebene Knochen. Die menschliche DNA ist von Defekten durchzogen, was zur Folge hat, dass der Mensch sich ausgewogener ernähren muss, zumindest es sollte, als fast alle anderen tierischen Spezies. Es gibt eine Fülle an Evolutionskompromissen. Ebendiese nimmt er nun unterhaltsam und kundig unter die Lupe. Am Ende dieses in Großbritannien hochgelobten Buches steht die etwas konsternierende Einsicht: Der Mensch ist gut, zumindest in evolutionärer Hinsicht, aufgestellt. Aber es könnte weitaus besser sein. Weil die Evolution nicht immer nach dem langfristigen Optimum strebt, sondern lieber kurzfristige Verbesserung anpeilte, deren Folgen ambivalent waren. Was es heißt, menschlich zu sein, fragil und verletzlich und verbesserbar, davon erzählt Dartnell, wie auch davon, dass biologische Verhältnisse und Zusammenhänge sich auf Gesellschaftliches auswirken, auf Gesellschaften und Volkswirtschaften und auch auf Kriegerisches. (Abbildung David von Michelangelo: Wikimedia Commons)

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