„Unser Umgang mit Natur ist immer auch politisch“

Verena Winiwarter hat gemeinsam mit Hans-Rudolf Bork das Siegerbuch in der Kategorie „Naturwissenschaft & Technik“ geschrieben. Im Interview macht sie sich für Bürgerkraftwerke stark, appelliert an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, mit Menschen anstatt bloß über sie zu forschen, und erklärt, weshalb man unbedingt alle sechzig Forschungsberichte aus der „Geschichte unserer Umwelt“ lesen sollte.  

Coverausschnitt_Geschichte-Umweltwissenschaftsbuch.at: Frau Winiwarter, in Ihrem Buch nehmen Sie die Leserinnen und Leser mit auf eine Zeitreise quer über alle Kontinente und durch verschiedene Epochen. In welche Zeit und an welchen Ort reisen Sie persönlich am liebsten (zurück) und warum?

Ich gehe mit meiner Familie sehr gerne in den Alpen wandern. Dazu haben wir keine Geschichte in unserem Buch, aber das Zentrum für Umweltgeschichte an der Alpen-Adria-Universität befasst sich mit der Geschichte des alpinen Schitourismus durchaus. Ich fahre immer wieder gerne nach Vorarlberg, wenn auch mehr der Musik als des Schifahrens wegen. Eine der vielen Geschichten für das Buch, für die leider kein Platz mehr war, war die der Kartoffelfäule in Irland. Hätten wir sie geschrieben, wäre das einer jener Orte, an den ich gerne zurückkommen würde. Warum? – Weil ich das Meer ebenso liebe wie die Berge, und die Klippen auf den Aran-Inseln beim Hügelfort Dun Aengus zu den beeindruckendsten Landschaften zählen, die ich kenne. Früher wurde von der Klippenoberkante aus sogar gefischt. Die Inseln zählen zu jenen europäischen Landschaften, die am längsten in Subsistenzwirtschaft verblieben sind – das wäre auch für unsere langfristigen Forschungen zur Nachhaltigkeit von Landnutzungssystemen interessant.

  Als Umwelthistorikerin befassen Sie sich mit den Beziehungen früherer Kulturen zu ihrer Umwelt und schätzen daraus die Folgen unseres heutigen Lebensstils für künftige Generationen ab. Was sind die größten Fehler der Menschheit im Umgang mit der Natur, aus denen wir für Zukunft lernen können – oder gar müssen?

Dazu weiß der WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der deutschen Bundesregierung für globale Umweltveränderungen, Anmerkung) mehr als ich. Das hervorragende Jahresgutachten 2011 spricht von einer großen Transformation, die nötig ist, wenn wir eine nachhaltige Gesellschaft haben wollen. Darin wird der Mangel an zivilgesellschaftlichem Engagement ebenso angesprochen wie die Staaten, die ihrem Auftrag, das Volk zu vertreten, besser gerecht werden müssen. Allerdings ist dieser Entwurf so wie viele andere normativ, er sagt, was sein soll, aber nicht, wie man dorthin kommt. Ich könnte Ihnen eine lange Liste von problematischen Entwicklungen nennen, aber es gibt etwas Wichtigeres als das, nämlich eine Idee über den Weg dorthin: Wir könnten aus der (Umwelt-)Geschichte lernen, dass Ressourcen, insbesondere Energie, mit Macht gekoppelt sind. Wir sollten uns darüber klar werden, dass wir uns durch dezentralisierte, von Bürgerinnen und Bürgern gemachte Solarenergieversorgung ermächtigen könnten, unsere Zukunft in die Hand zu nehmen. Unser Umgang mit Natur ist immer auch „politisch“ in dem Sinn, dass unser Verhältnis zur Natur gesellschaftsbestimmend ist. Das heißt, politisches und/oder zivilgesellschaftliches Engagement ist eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung.  

solarenergieDas Vorwort Ihres Buches bezieht sich auf die EU-Strategie „Europa 2020“, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine gerechtere Welt mit guter Lebensqualität für alle zu schaffen. Im Schlusskapitel heißt es jedoch ernüchternd: „Experten machen keine besonders glorreiche Figur bei der Schaffung lebenswerter Welten“. Wie beurteilen Sie die Rolle der Wissenschaft, wenn es um die Verbesserung von Lebensbedingungen und um nachhaltige Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt geht?

Die Rolle der disziplinären Wissenschaft ist sicher ambivalent, insbesondere dann, wenn sie innerhalb von gesellschaftlichen Strukturen agiert, ohne diese zu reformieren. Dann bekommen wir nur jene wissenschaftlichen Ergebnisse, die das herrschende, keineswegs nachhaltige System stützen. Ein Paradigmenwechsel zur transdisziplinären Wissenschaft, die Menschen außerhalb des Wissenschaftssystems zu Beteiligten macht, ist gerade im Gange, und ich bin sehr glücklich, in einer Pionierinstitution einer solchen Wissenschaft arbeiten zu können. Wir haben vor kurzem auch versucht, unsere Erfahrungen damit als Fakultät in Buchform zur Verfügung zu stellen, und ich arbeite auch deshalb als Herausgeberin bei einer transdisziplinären Zeitschrift mit, weil ich glaube, dass das die Zukunft sein wird. Dann sind wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht mehr „Experten“ von außen, sondern wir stellen das, was wir können, für gemeinsame Prozesse zur Verfügung. Unsere Stärke, nämlich systematisch Wissen zu erarbeiten und neue Fragen zu stellen – auch die, die für das politische System unbequem sind – wird dabei wirksam. Wir forschen dann nicht über, sondern mit Menschen, und das ist der beste Schutz davor, dass wir mit Halbwissen schlechte Ratschläge geben.

Sie sind die bislang einzige Professorin für Umweltgeschichte in Österreich. Wie wird sich Ihre noch junge Disziplin in den nächsten zehn Jahren entwickeln?

Als Historikerin weiß ich, wie schlecht wir Menschen beim Prognostizieren der Zukunft sind. Ich finde es sehr erfreulich, dass sich die Umweltgeschichte bei uns in Österreich so gut entwickelt: Mit Patrick Kupper in Innsbruck, wo auch die historisch und sozialwissenschaftliche höchst interessierte Glaziologin Andrea Fischer forscht, mit Reinhold Reith und seinem jüngst berufenen Kollegen Martin Knoll, mit den historisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen an der BOKU, namentlich Gertrud Haidvogl und Severin Hohensinner, und nicht zuletzt mit dem Zentrum für Umweltgeschichte an der AAU, wo ja mit Martin Schmid, Fridolin Krausmann, Veronika Gaube und Simone Gingrich mehrere Personen mit verschiedenem fachlichen Hintergrund dezidiert die Interessen der sozial-ökologischen Langzeitforschung verfolgen, und mit Günter Blöschl, der auf der TU Wien eine sozial-hydrologische Forschung vorantreibt, weil Betonieren allein gegen Hochwasser nicht hilft, sind wir inzwischen auf der umwelthistorischen Forschungslandkarte Europas kein weißer Fleck mehr, wenngleich wir mit Zentren wie dem Rachel Carson Center in München noch nicht mithalten können. Dabei habe ich viele weitere Kolleginnen und Kollegen noch gar nicht genannt, sondern mich auf die Orte beschränkt, wo Umweltgeschichte institutionell zumindest ein wenig abgesichert ist. Knoll und Kupper sind zwar nicht Professoren für Umweltgeschichte direkt oder allein, aber das hat auch seine guten Seiten: Der Aspekt Umwelt gehört ja überall dazu und wird damit in andere Bereiche hineingetragen.

Sie nennen die einzelnen Kapitel Ihres Buches „Forschungsreiseberichte“. Was waren für Sie die Herausforderungen, Ihre Forschung in einem Buch für ein breites Publikum zu beschreiben bzw. worin liegen die Unterschiede zu herkömmlichen Forschungsberichten, die sich an Fachkolleginnen und -kollegen richten?

Die gestalterische Herausforderung ist „Kürze und Würze“ bei kompromissloser Wissenschaftlichkeit. Eine inhaltliche Herausforderung war es, möglichst viele positive Beispiele anzubieten. Wir wollten auch illustrative Bilder finden. Dabei gerät man an die ökonomischen Grenzen der Wissenschaft: Bildrechte sind teuer, und für wissenschaftliche Publikationen eigentlich nicht leistbar. Wir haben trotzdem einen sehr schön illustrierten Band gemacht. Das war eine Herausforderung, die wir gemeistert haben.  

kaffeeWelchen der insgesamt sechzig Forschungsreiseberichte aus Ihrem Buch sollte man unbedingt gelesen haben?

Alle natürlich. Wir haben uns schon schwer genug getan, diese sechzig auszusuchen. Wir haben einige weitere, um die uns besonders leid tat, und die schon fertig waren, als Zusatzleistung auf den Webseiten des Verlags verfügbar gemacht. Aber wenn Sie mich fragen, mit welchen Sie anfangen sollen, dann empfehle ich Ihnen aus dem ersten Kapitel „Tod und Verderben in Europa“, weil diese Geschichte durch den monatelangen Ausbruch der Holuhraun-Spalte in Island, die oft als Ausbruch des Bardabunga bezeichnet wird, gerade an Aktualität gewonnen hat. „Die Wässerwiesen von Grönland“ sind ein überraschendes Positivbeispiel aus dem zweiten Kapitel. Im Gegensatz zu anderen sehen wir die Anpassung der Grönländer an ihren Lebensraum als jahrhundertelange Erfolgsgeschichte. Hans-Rudolf Bork hat dort, ebenso wie auf São Tomé und Príncipe sowie auf der Osterinsel, eigene Feldforschungen gemacht, die hier verarbeitet sind. Das dritte Kapitel handelt von jener Technologie, deren Folgen für die Umwelt immer noch unterschätzt werden, dem Transport. Die „Transformation des Victoriasees“ führt nach Afrika und geht den Spuren kolonialer Eisenbahnverbindungen nach.  Eine Geschichte aus dem vierten Kapitel auszuwählen, fällt mir besonders schwer. Koloniale Ausbeutung ist unter den schlimmsten umweltzerstörenden Aktivitäten. Sie kommt in vielerlei Kleidern. „Wie eine Insel auf den Hund kam“ erzählt von Tasmanien und damit von einem der exotischeren Orte, zu denen wir Forschungsberichte anbieten. Aber ebenso sehr liegt mir mit „Unterseekabel und Tropenwald“ die Geschichte der Guttapercha am Herzen. Eine Tiergeschichte, eine Pflanzengeschichte, das wäre ja ein Grund, jedenfalls zwei zu lesen. Im nächsten Kapitel geht es um die Plagen der industriellen Lebensweise. Da haben Sie die Wahl zwischen brennenden Flüssen, die so lange kein Grund zum Einschreiten sind, als der Glaube an den Fortschritt noch ungebrochen ist, und „Stalins ‚Großbauten des Kommunismus‘“, da geht es um die gewaltförmige Umgestaltung riesiger Landstriche, vor allem um Wasserkraftwerke. „Agent Orange und der Vietnamkrieg“ aus dem sechsten Kapitel empfehle ich als Einstieg, weil es noch einen weiteren Kontinent auf die Leseliste bringt. Das Gute an unserem Buch: jede Geschichte ist nur eine Doppelseite lang, das geht sich bei einer Tasse Tee oder Kaffee fast schon aus. Sie müssen nur die Reihenfolge auswählen!

Mehr über das Siegerbuch erfahren:   Leseprobe

Das Interview fand aus Zeitgründen schriftlich statt.

„Man muss einfach eine Weile gegen den Strom schwimmen“

Er hat nicht damit gerechnet, dass sein Buch „Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst“ ein Erfolg wird. Nun ist Niels Birbaumer Wissenschaftsbuch-Preisträger in der Kategorie „Medizin & Biologie“. Im Interview spricht er sich gegen den vorschnellen Einsatz von Medikamenten aus, erklärt, weshalb man als Hirnforscher einen langen Atem braucht und begründet, warum er kein Psychopath ist.

wissenschaftsbuch.at: Herr Birbaumer, im Vorwort schreiben Sie: „Die meisten Untersuchungen, von denen in diesem Buch berichtet wird, stammen aus unserer wissenschaftlichen ‚Werkstatt‘“. Wie sieht es denn in Ihrer Werkstatt aus?

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Das Buch stellt Arbeitsweisen und Erkenntnisse der Hirnforschung vor und räumt mit gängigen Vorurteilen über das menschliche Gehirn auf.

Das wird im Buch etwas oberflächlich beschrieben, weil es ein wenig kompliziert ist. Für unterschiedliche Forschungsbereiche gibt es verschiedene Werkstätten. Wir arbeiten in mehreren Laboratorien mit Großgeräten, die viele Millionen wert sind. Eines unserer Laboratorien ist mit einem Kernspintomographen ausgerüstet. Mit diesem können wir Hirnaktivitäten beobachten. Das Buch erwähnt zum Beispiel Schwerverbrecher, deren Vergehen darauf zurückzuführen sind, dass bestimmte Regionen im Gehirn nicht richtig funktionieren. Mit dem Kernspintomographen untersuchen wir diese Hirnregionen, um sie dann trainieren, also erregen oder hemmen zu können. Ähnliches geschieht in unserem Laboratorium für Magnetenzephalographie, wo wir die magnetischen Felder des Gehirns erfassen und die untersuchten Personen selbst beobachten können, wie sich diese Felder verändern. Das sind unsere Arbeitsumgebungen an der Universität in Tübingen. Daneben findet vieles direkt vor Ort bei Patienten statt. Das Buch beschreibt unsere Arbeit mit vollständig gelähmten Leuten, die an Amyotropher Lateralsklerose erkrankt sind. Diese Leute können sich nicht mehr bewegen, sie werden künstlich ernährt und beatmet. Wir gehen zu ihnen nach Hause und bauen dort ein kleines, tragbares Laboratorium auf. 

Sie geben in Ihrem Buch einige Beispiele dafür, wie sich Lernen und soziale Kontakte bei neurologischen Störungen, zum Beispiel bei Altersdemenz, heilsam auf das menschliche Gehirn auswirken können. Bedeutet das, dass zahlreiche medikamentöse Behandlungen überflüssig wären, wenn wir unsere Gehirne mehr fordern würden?

Ja genau, ich führe im Buch einige Fälle an, in denen die medikamentöse Behandlung überhaupt nichts bringt, wo man die Symptome aber durch Lernen beseitigen oder verzögern kann. Ein Beispiel ist die unbehandelbare Epilepsie: Ein Drittel aller Epileptiker spricht auf Medikamente nicht an, trotzdem verabreicht man ihnen weiterhin Berge von Medikamenten, an denen sie irgendwann einmal zugrunde gehen. Dagegen wende ich mich, und deswegen habe ich auch schon Probleme mit der Pharmaindustrie gekriegt. Ein anderes Beispiel ist der Missbrauch von Ritalin bei hyperaktiven, aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Viele Kinder haben ja gar kein richtiges Aufmerksamkeitsdefizit. Oft reicht es schon, dass jemand einmal in der Schule nicht aufpasst, und dann greifen Ärzte und Eltern gleich zu Ritalin. Wir kennen die Langzeitfolgen dieses Medikaments noch gar nicht, aber sie sind mit Sicherheit nicht gut. Das ist eine Droge, die normalerweise Erwachsene süchtig macht, und jetzt bekommen sie schon kleine Kinder verabreicht.

Lebenslanges Lernen ist oft das beste Rezept: Wer sein Gehirn fit hält, kann sich mitunter viele Tabletten sparen.

Lebenslanges Lernen ist oft das beste Rezept: Wer sein Gehirn fit hält, kann sich mitunter viele Tabletten sparen.

Ich wende mich auch gegen die medikamentöse Behandlung von Schizophrenie. Die Pharmaka, die den Betroffenen verschrieben werden, sind nichts anderes als Ruhigstellungen, und ändern an den Problemen gar nichts. Das sind nur einige Punkte, wo ich explizit darauf hinweise, dass Pharmaka vollkommen unnötig oder schädlich sind. Wir versuchen in allen diesen Fällen, durch Lernen Besserungen zu erreichen, auch wenn das mitunter schwierig ist.

Warum gelangen trotzdem Medikamente zur Anwendung?

Erstens ist es billiger und zweitens spart es Zeit. Viele Ärzte haben keine Zeit, Lernmethoden anzuwenden, oder sie sind nicht dafür ausgebildet. Leider machen es auch die meisten Psychologen nicht. Die könnten das eigentlich, aber scheuen sich oft vor der Technik. Und ohne Technik kann man diese ganzen Lernmethoden nicht anwenden.

Wie geht es Ihnen mit Ihrer Rolle als Wissenschaftler, der die gegenwärtige Situation zwar kritisiert, aber die angesprochenen Probleme nicht lösen kann?

Sie haben Recht, bisher war der Einfluss der Forschung auf die Praxis nicht besonders groß. Aber da muss man einfach eine Weile gegen den Strom schwimmen. Es dauert eben, bis sich das Blatt wendet. Unsere Forschungsergebnisse sind in den besten Journalen publiziert; man kann sie eine Zeit lang ignorieren, aber sicher nicht auf Dauer. In manchen Bereichen kommt schön langsam etwas in Gang, beispielsweise bei der Hyperaktivität: Eltern sind besorgt, weil die Nebenwirkungen immer deutlicher zu Tage treten, und verlangen verstärkt nach nicht-medikamentösen Behandlungen.

Teile Ihres Buches lesen sich wie ein Plädoyer für lebenslanges Lernen, etwa weisen Sie darauf hin, dass es sehr wohl möglich ist, mit 75 Jahren noch eine neue Sprache zu erlernen. Ist also die Angst vor der alternden Gesellschaft übertrieben oder gar ungerechtfertigt?

Natürlich! Pharmafirmen schüren die Angst vor dem Alzheimer und behaupten, dass man die Krankheit möglichst früh erkennen sollte. Dabei ist die Früherkennung natürlich Blödsinn. Denn was haben Sie davon, wenn man Ihnen sagt: Passen Sie auf, Sie kriegen mit siebzig Alzheimer? Stattdessen könnte man Ihnen doch auch sagen: Sie haben ein hohes Risiko für Alzheimer, darum sollten Sie Ihr Gehirn jeden Tag eine Stunde trainieren! Aber das ist natürlich nicht im Sinne der Industrie, denn damit kann man kein Geschäft machen. Leider fließen 99 Prozent der Gelder für die Alzheimerforschung in medikamentöse Behandlungsverfahren oder in Früherkennungsmethoden. Es muss generell ein Umdenken einsetzen. Die kurative Einstellung, dass man alles heilen kann – vor allem, dass man alles medikamentös heilen kann – ist ein Problem. Wenn sich nichts ändert, wird das Gesundheitssystem über kurz oder lang zusammenbrechen, weil es nicht mehr bezahlbar ist. Anstatt Alarm zu schlagen und das Altern der Bevölkerung zu beklagen, sollte man lieber die Einstellung gegenüber diesem Altersprozess überdenken, und statt auf Heilen auf Lernen, auf Rehabilitation und auf frühe Kompensation setzen. Mein Argument ist: Man muss frühzeitig anfangen, intensiv zu lernen. Etwa kann man Denkaufgaben mit aktivem Musizieren kombinieren. Es gibt eine Vielzahl von kognitiven Tätigkeiten, die sich auch gut für ältere Leute eignen. Kognitive Tätigkeiten sind die einzige nachgewiesene erfolgreiche Methode gegen das Nachlassen des Gedächtnisses im Alter. Natürlich ist es angenehmer, sich einfach gehen zu lassen und zu sagen: Im Alter lässt das Gehirn nach, und das kann man nicht mehr kompensieren. Aber dafür spricht aus wissenschaftlicher Sicht absolut gar nichts. Wenn Sie sich die Hirnregionen anschauen, die mit Lernen und Hirnplastizität beschäftigt sind, werden Sie feststellen: Diese Regionen sind bis ins hohe Alter aktiv! Es stimmt, dass bei der alzheimerischen Erkrankung Hirnareale absterben, allerdings lässt sich dieses Absterben durch kognitive Trainingsmaßnahmen hinausschieben.  

Bei gesunden Menschen bleibt das Gehirn bis ins hohe Alter aktiv. Gegen fortschreitenden Alzheimer können regelmäßige Denkaufgaben helfen.

Bei gesunden Menschen bleibt das Gehirn bis ins hohe Alter aktiv. Gegen fortschreitenden Alzheimer können regelmäßige Denkaufgaben helfen.

Sie nehmen in Ihrem Buch Bezug auf zahlreiche neurologische Störungen bzw. Erkrankungen wie Schizophrenie, Wachkoma, Schlaganfall oder ADS. Was sind für die Medizin und Gesellschaft die größten neurologischen Herausforderungen der kommenden Jahre?

Das größte Problem liegt in den medizinischen Fachdisziplinen selbst, die noch in Einstellungen aus dem 19. Jahrhundert verhaftet sind. Wie angesprochen dominiert noch immer die Vorstellung, dass man in der Medizin kurativ tätig sein soll. Das kann zwar der Chirurg, aber die meisten Disziplinen in der Medizin haben mit Kuration nichts mehr zu tun. Denn die Krankheiten, mit denen wir heute konfrontiert sind, sind alle nicht heilbar. Denken Sie etwa an die Diabetes und wie sie mit Depressionen und Alzheimer korreliert: Diabetiker werden depressiv, die Depressiven kriegen den Alzheimer und haben Probleme mit ihrem Gewicht – es ist immer wieder derselbe Kreislauf. All diese Dinge sind nicht heilbar, und die sind auch nicht durch Medikamente beeinflussbar. Das weiß im Grunde jeder, der die Literatur ernsthaft studiert. Aber leider werden daraus keine Konsequenzen gezogen.

Muss also dieses Bewusstsein auch stärker im Medizinstudium verankert werden?

Ja, sicher! Ich predige schon seit vierzig Jahren, dass es in der Medizin nicht so weitergehen kann. Heutzutage beschäftigen sich die jungen Mediziner in der gesamten Ausbildung mit molekularen Mechanismen der Zellen, und lernen, Zellprozesse pharmakologisch zu beeinflussen. Nichts davon können sie in der Praxis brauchen, absolut nichts. Denn die heute dominierenden Krankheiten – von der Chirurgie und Infektionen abgesehen – sind Krankheiten, die mit Molekülen und Zellen überhaupt nichts zu tun haben. Sie sind Folgen des Alterns, des Essens oder des Bewegungsmangels. Hier darf man nicht aufgeben zu predigen. Schön langsam dringt es durch.

„Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst“ richtet sich dezidiert auch an Laien. Wie war für Sie die Erfahrung, für Nicht-WissenschaftlerInnen zu schreiben bzw. worauf mussten Sie besonders achten?

Ich habe keine Übung darin, etwas Wissenschaftliches allgemein verständlich und dabei auch noch unterhaltsam zu formulieren. Daher hat das Buch mit Jörg Zittlau einen Zweitautor. „Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst“ ist mindestens genauso sehr sein Verdienst wie meiner. Von dem Buch hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es ein Erfolg wird. Ich hatte eher erwartet, dass es ein Misserfolg wird, weil ja die Forschungsergebnisse, die in den Kapiteln präsentiert werden, nicht unbedingt populär sind. Aber das Buch ist für den Ullstein Verlag sogar ein Bestseller geworden. Natürlich freue ich mich darüber, aber das ist nicht der Zweck der Sache. Der Zweck der Sache ist, seine eigenen Gedanken in eine gewisse Ordnung zu bringen und sich so mitzuteilen, dass es ein einigermaßen belesener Mensch, der nichts mit dem Fach zu tun hat, auch verstehen kann.

Wie hat die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Herrn Zittlau zur Entstehung des Buches ausgesehen? Wir haben uns eine angenehme Umgebung ausgesucht, wo es keine Störungen durch Telefon oder Internet gab, sodass wir ein paar Tage ungestört an dem Buch arbeiten konnten. Wir haben uns zusammengesetzt, und ich habe ihm geschildert, was ich zu den einzelnen Themen wissenschaftlich zu sagen habe. Er hat meine Schilderungen auf Tonband aufgenommen und zusätzlich einige von meinen Papers gelesen. Dann hat er meine Ausführungen in eine verständliche Sprache gebracht. Ein paar Wochen später habe ich das Manuskript zum Lesen bekommen und Korrekturen vorgenommen, damit alles sachlich korrekt bleibt. Der Text, der im Buch steht, ist also primär von Jörg Zittlau formuliert und von mir korrigiert. Auf diese Art und Weise gehen wir vor, wenn wir gemeinsam an einem Buch schreiben. Diese Arbeitsweise ist sehr angenehm, und jeder von uns lernt viel vom anderen. Wir wollen demnächst ein neues Buch machen und dabei am Gegenteil von dem arbeiten, was ich in „Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst“ beschrieben habe. Das nächste Buch wird sich also mit Gehirn- und Bewusstseinszuständen befassen, die mit Leere einhergehen, in der die normalen, assoziativen Gehirnvorgänge zumindest für einige Zeit nicht arbeiten. Das kann positiv sein, etwa wenn man das Abstellen des Denkens bei der Meditation trainiert. Dass bestimmte Arten von Denkprozessen abnehmen, kann aber auch durch eine Krankheit bedingt sein, zum Beispiel durch Alzheimer.  

 

karriere

Die einen landen im Gefängnis, die anderen machen Karriere: Psychopthie kann sich produktiv und destruktiv äußern

Sie arbeiten in Ihrem Buch die gespaltene Haltung der Gesellschaft gegenüber Psychopathie heraus: einerseits den Wunsch, Psychopathen in geschlossenen Anstalten wegzusperren, andererseits machen gerade Menschen mit psychopathischen Zügen häufig Karriere. Ist Psychopathie in gewissen Maßen doch gesellschaftsfähig?

In einer kompetitiven Gesellschaft ist Psychopathie, wenn sie mit Intelligenz und Geld gepaart ist, natürlich ein Erfolgsfaktor. Es gibt zwei Seiten. Auf der einen Seite stehen die Erfolglosen, die nicht gelernt haben, ihre schizophrenen Charaktereigenschaften in eine produktive und gesellschaftlich akzeptierte Richtung zu lenken. Diese Leute stammen meistens aus ärmeren Elternhäusern, in denen Drogen und Alkohol eine große Rolle spielen. Das sind Leute, die eher eine unzureichende Schulbildung haben, die auf die schiefe Bahn geraten und schlussendlich im Gefängnis landen. Auf der anderen Seite stehen die Intelligenten und die, die einen gesellschaftlichen und ökonomischen positiven Hintergrund haben. Diese Leute landen in der Bank oder in der Universität. Über solche erfolgreiche Psychopathen wissen wir aber praktisch nichts, denn sie sind für unsere Versuche oder Trainingsmaßnahmen nicht zu gewinnen. Wir haben das mehrfach versucht, aber sie riechen sofort den Braten und lassen sich nicht untersuchen. Sie wollen nicht erkannt werden und nichts von sich preisgeben. Natürlich wollen sie sich auch nicht ändern, warum sollten sie das auch? Sie haben mit ihrem Verhalten ja großen Erfolg.

In Ihrem Buch können die Leserinnen und Leser einen Psychopathie-Selbsttest durchführen. Wie oft haben Sie in diesem Test selbst „trifft zu“ angekreuzt?

Ich glaube, ich habe das auch in meinem Buch beschrieben: Alle Tests, die ich mit meinen Patienten oder Versuchspersonen mache, mache ich zuvor auch selbst. Also habe ich auch den Psychopathie-Test gemacht. Ich bin leider Gottes das Gegenteil von einem Psychopathen, darum bin ich wohl auch nicht so erfolgreich. In meinem Gehirn dominieren die Angstareale, ich bin eher ein ängstlicher Mensch. Die Angstareale, die bei den Psychopathen nicht funktionieren, funktionieren bei mir übermäßig gut. Dennoch habe ich mich in meiner Jugendzeit in Wien psychopathisch verhalten. Retrospektiv deute ich es so, dass ich viele meiner Verhaltensweisen als Kompensation für die Ängstlichkeit gewählt habe. Nach außen hin bin ich scheinbar in ein psychopathisches Verhalten abgerutscht, was dann zu Kriminalität geführt hat. Das hat erstens meine Angst reduziert und mir zweitens soziale Anerkennung gebracht. Soziale Anerkennung bekommen Sie als kleiner pubertierender Junge ja nicht für Angst, sondern für Angstlosigkeit. Mein Misserfolg als Verbrecher war schon mit fünfzehn wieder besiegelt. Auch das zeigt, dass es sich hier um keine dauerhafte Persönlichkeitseigenheit gehandelt hat, sondern dass es ein Kompensationsverhalten war. Als mich mein Vater aus der Schule im dritten Bezirk herausgenommen hat und ich in eine andere Schule im ersten Bezirk gegangen bin, hat sich mein Verhalten von einem Tag auf den anderen genau ins Gegenteil gewendet. Das wäre bei einem Psychopathen nicht denkbar.

Mehr über das Siegerbuch erfahren:  Leseprobe

 

 

„Alle Karten sind subjektiv und unvollständig“

Jerry Brotton ist Autor des Buches „Die Geschichte der Welt in zwölf Karten“ und Preisträger der Kategorie Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Im Interview spricht er darüber, was Kartografie und Literatur gemeinsam haben, weshalb man mit Google Maps kritisch umgehen sollte und warum er keine Empfehlungen für Karten abgeben kann.

wissenschaftsbuch.at: In einem Blogbeitrag schreiben Sie, dass Sie seit Ihrer Kindheit von Landkarten fasziniert sind. Woher kommt diese Faszination?

Landkarten haben eine ungeheure Macht. Sie erfüllen nicht nur die Funktion, uns den Weg von A nach B zu zeigen. Nein, es geht um viel mehr. Landkarten haben auch einen gewaltigen Einfluss auf unser Verständnis, wer wir sind. Denn sie beantworten die Frage: Wo bin ich? Dadurch helfen uns Karten auf vielfältige Weise, uns zu orientieren und Ordnung in die Welt zu bringen, von der wir umgeben sind – nicht nur im geographischen, sondern auch im philosophischen Sinn. Diese Macht beeindruckt mich schon seit langem. Aber meine Faszination für Landkarten ist noch weiter gestiegen, als ich 1990 in Deutschland gelebt habe. Gleich nach dem Mauerfall habe ich in Ostberlin gewohnt, wo mir ein Bildhauer vom Prenzlauer Berg eine außergewöhnliche Geschichte erzählt hat: Er sagte, als Ost- und Westberlin noch getrennt waren, konnte er die Radiosender aus Westberlin empfangen. Er stellte sich vor, wie die Straßen und Plätze auf der anderen Seite der Mauer aussahen, über die im Rundfunk berichtet wurden. Er hatte eine Karte, welche die Stadt vor der Teilung zeigte. Auf dieser Karte suchte er die Orte, von denen er im Radio hörte. In jener Nacht, in der die Mauer fiel, spazierte der Bildhauer durch Westberlin. Plötzlich kam ein Mann auf ihn zu und fragte nach dem Weg. Natürlich wusste er nun, wohin er den Mann schicken musste – und das, obwohl er noch nie zuvor selbst dort gewesen war! In diesem Moment fühlte er sich nicht länger wie ein Ossi, er war mit einem Mal zu einem Deutschen geworden. Diese Geschichte ist ein tolles Beispiel dafür, wie sehr Landkarten die menschliche Identität und Orientierung prägen.  

Geschichte der Welt Cover

Keine europäische, sondern eine globale Geschichte: In Brottons Buch sind neben bekannten Karten aus der westlichen Welt auch weniger bekannte Darstellungen aus dem Nahen und Fernen Osten vertreten.

Nach welchen Kriterien haben Sie die zwölf Karten ausgewählt, die Sie in Ihrem Buch präsentieren?

Es war mir ein großes Anliegen, mich dem Thema aus einer globalen Perspektive zu nähern. Ich wollte in meinem Buch keine rein europäische Sichtweise vermitteln, denn das haben schon viele andere vor mir gemacht. Landkarten werden häufig als die große Errungenschaft der westlichen Wissenschaft bezeichnet und Mercator im 16. Jahrhundert als der Begründer der objektiven Kartierung gefeiert. Doch das stimmt so nicht. Andere Kulturen haben schon deutlich früher Karten angefertigt, was aber viele Geschichtsschreiber vernachlässigen. „Die Geschichte der Welt in zwölf Karten“ zeigt daher sowohl einige sehr bekannte als auch einige weniger bekannte Kartografen und deren Landkarten. Um Ptolemäus bin ich wegen seiner Bedeutung für die antike Geografie in meinem Buch nicht herumgekommen. Ebenso konnte ich um Mercator schwer einen Bogen machen, weil seine Erdprojektion eine so wichtige Rolle spielt. Außerdem konnte ich die rasante Weiterentwicklung nicht ignorieren, die Karten derzeit online durchlaufen. Also lag es auf der Hand, das letzte Kapitel Google zu widmen. Aber dazwischen, auf dem langen Weg zwischen Ptolemäus und Google, wollte ich weniger bekannte Geschichten erzählen, zum Beispiel über die Kartografie in Südostasien. Im Buch findet sich etwa die Kangnido-Weltkarte von 1402, die belegt, dass in Korea durch den Einfluss Chinas tolle Karten entstanden sind; Karten, auf denen auch Europa abgebildet ist. Auf die islamische Welt gehe ich ebenfalls ein: Das zweite Kapitel rückt mit Al-Idrisis Karte aus 1154 wiederum eine nicht-christliche Kartentradition in den Mittelpunkt, die besonders interessant ist, weil sie Einflüsse verschiedener Kulturen vereint. Al-Idrisi hat hier griechische, römische und islamische Quellen vermischt. Ich glaube nicht, dass die zwölf Karten, die ich für das Buch ausgewählt habe, die zwölf wichtigsten Karten auf der Welt sind. Aber sie stehen symbolisch für meine Auffassung, dass die Geschichte der Kartografie eine globale ist. Aus heutiger Sicht mögen manche der zwölf Karten unsinnig oder gar lächerlich erscheinen, etwa die mittelalterliche Karte aus der Kathedrale zu Hereford, auf der Monster vorkommen. Das Buch versucht zu zeigen, dass jede der Karten für die Betrachterinnen und Betrachter zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit Sinn ergeben hat. Stellen Sie sich vor, Sie leben um 1300 im englischen Städtchen Hereford. Sie werden in Ihrem ganzen Leben vermutlich nie über die Grenzen Ihrer Stadt hinauskommen. Die Karte hat nicht die Funktion, Sie von A nach B zu bringen, denn Sie werden nicht von A nach B reisen. Stattdessen unterstreicht die Karte Ihren christlichen Glauben und das, was in der Kirche gepredigt wird.

Sie sind Literaturprofessor. Wie passt Ihr Interesse für Kartografie zu Ihrem Beruf?

Die Literatur ist voll von Autorinnen und Autoren, die eine große Begeisterung für Landkarten haben, zum Beispiel Luis Borges. Er hat eine Kurzgeschichte über eine Karte geschrieben, die so viele Details enthalten soll, dass sie im Maßstab 1:1 angefertigt werden muss. Wenn die Karte dieselbe Größe hat wie das Land, das sie abbildet, wird sie natürlich nutzlos. Auch Lewis Carroll und Italo Calvino waren von Karten fasziniert. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass eine Karte eine Metapher für das literarische Schreiben ist. Beide betrügen die Rezipientinnen und Rezipienten, indem sie ihnen Wirklichkeit vortäuschen. Eine Karte bietet uns nur eine Abbildung der Realität, nicht aber die Realität selbst. Der amerikanische Philosoph Alfred Korzybski hat so treffend gesagt: „Die Landkarte ist nicht die Landschaft.“ In der Literatur ist das ganz ähnlich. Auch Literatur kann nur ein Fenster in eine fiktionale oder non-fiktionale Welt, aber nicht diese selbst sein. Als jemand, der Literatur unterrichtet, habe ich einen anderen Blick auf Landkarten als Geografen. Natürlich haben auch Geografen schon Bücher über die Geschichte der Kartografie geschrieben, aber da geht es meist um wissenschaftliche Präzision und Objektivität. Ich erzähle eine andere Geschichte. Die These, die sich durch mein Buch zieht, ist, dass alle Landkarten subjektiv sind. Sie repräsentieren ein bestimmtes Weltbild und legen damit die Art und Weise fest, mit der wir über unsere Welt nachdenken. Das macht Karten so erfolgreich und spannend. Sie fangen das Weltbild einer bestimmten Kultur zu einer bestimmten Zeit ein und erhalten es für nachfolgende Generationen. Hinsichtlich der Objektivität und Subjektivität von Karten haben aber nicht nur unterschiedliche Professionen, sondern auch verschiedene Wissenschaftstraditionen unterschiedliche Auffassungen. Während die österreichisch-deutsche Tradition die Kartografie stets als Akt größter Präzision und wissenschaftlicher Exaktheit definiert, verbindet die angloamerikanische Tradition das Erstellen von Karten stärker mit Mutmaßungen und Fantasie. Das wird mir jedes Jahr erneut bewusst, wenn ich die ICHC-Konferenz (International Conference on the History of Cartography) besuche, und die Diskussion zwischen den Vertreterinnen und Vertretern beider Traditionen neu entfacht.  

Google-Suche nach Hotels in Wien

Hotel in Wien oder Chinarestaurant in London: viele Suchanfragen beantwortet Google mit einer Karte.

Warum können Karten Ihrer Ansicht nach nicht objektiv sein?

Wir finden in jeder Karte subjektive Elemente – von Ptolemäus bis Google. Warum das so ist? Die Erstellung von Karten unterliegt seit jeher bestimmten Motiven. Bei der Hereford-Karte waren religiöse, bei Mercator politische Interessen ausschlaggebend. Bei Google, Apple und Microsoft sind es vorwiegend ökonomische Interessen, die bestimmen, wie eine Karte aussieht, was auf ihr zu sehen ist und ebenso, was sie nicht zeigt. In diesem Sinne ähnelt mein ganzes Buch einer Landkarte, weil es bei der Auswahl der zwölf Karten ja auch um die Frage gegangen ist, was ich zeige und was ich weglasse. Mit Google Maps und den Karten von anderen großen Firmen müssen wir vorsichtig umgehen. Keines dieser Unternehmen hat sich dazu entschlossen, Kartenanwendungen zu entwickeln, weil es die Welt exakter abbilden möchte. Das bestreitet von den Verantwortlichen auch niemand. Das Engagement hat kommerzielle Gründe. Es fördert das Geschäft, wenn ein Produkt oder Dienstleistung mit einer Karte hübsch visualisiert wird. Google hat mir bestätigt, dass schon in mehr als 40 Prozent der Suchanfragen eine Karte als Antwort ausgegeben wird; etwa bei der Frage, wo sich das beste Hotel in Wien befindet; oder bei der Frage, wo das nächstgelegene Chinarestaurant in London liegt. Die Art der Suchanfragen beeinflusst das Aussehen der Karten, die wir als Suchergebnis erhalten. Im Moment sind die Karten nicht besonders gut, sie könnten jedenfalls noch viel besser sein. Doch das müssen sie gar nicht, denn sie funktionieren, wie sie sind, als das Beiwerk zu einer kommerziellen Botschaft. Das Beispiel, das ich an dieser Stelle immer wieder gern erwähne, ist jenes von den Townships in Südafrika. Auf Google Maps sucht man vergeblich nach den Grenzen dieser Siedlungsgebiete. Google hat kein Interesse am genauen Grenzverlauf in dieser Region, weil sie für das Geschäftsmodell kaum relevant sind.  

Hereford_Mappa_Mundi_1300

Karten sind keine neutralen Objekte, sie bringen bestimmte Weltanschauungen zum Ausdruck. Die Hereford-Karte aus 1300 steht im Einfluss religiöser Interessen.

Gilt für Landkarten also Ähnliches wie für Kolonialliteratur, von der ja behauptet werden kann, dass sie mehr über das Weltbild des Autors als über die Kultur aussagt, die sie beschreibt?

Ja, zwischen Kolonialliteratur und Kartografie gibt es einige Parallelen. Landkarten liefern Diskussionsstoff für die Frage, wie die Welt aussieht. Karten drücken aus, wie bestimmte Personen die Welt sehen. Insofern können wir aus Karten viel über die Personen erfahren, die sie gemacht haben. Dasselbe trifft auch auf Kolonialliteratur zu. Karten haben in der Geschichte der Menschheit häufig als ideologische Werkzeuge gedient, um bestimmte politische Interessen oder Herrschaftsverhältnisse zum Ausdruck zu bringen. Allerdings geht diese Macht nicht von Karten selbst aus. Keiner Karte ist es je gelungen, die Welt zu verändern. Aber sie wurde von Menschen dazu verwendet.

Nutzen Sie selbst Google and Google Maps?

Ich schätze, ich habe keine andere Wahl. Ich empfehle auf jeden Fall, mehr Open-Source-Anwendungen zu nutzen. Aber das ist oft schwierig, weil keine freie Software auch nur über annähernd so viele Ressourcen verfügt wie Google.

Ihr Buch ist in der englischen Originalfassung bereits 2012 erschienen. Befassen Sie sich auch derzeit mit Kartografie?

Derzeit bin ich an einem ganz anderen Thema dran: Ich schreibe ein Buch über Shakespeare. Aber ich möchte schon seit längerem auch ein anderes Buchprojekt umsetzen: Ich will ein Buch über Orte schreiben, die nicht existieren. Das wäre dann sozusagen die Kehrseite zu der „Geschichte der Welt in zwölf Karten“. Es wäre ein Buch über Parallelwelten und Fantasiestaaten, wie etwa Mittelerde in Tolkiens „Herr der Ringe“, aber auch über Orte, die zum Beispiel abhängig sind vom Glauben, wie Himmel und Hölle. Mit einem solchen Buch könnte ich einmal mehr zeigen, dass Karten uns auch dabei helfen, uns irreale Welten vorzustellen, und unsere Träume über utopische Orte beflügeln. Oscar Wilde hat gesagt: „Es interessiert mich keine Karte, wenn darauf nicht Utopia eingezeichnet ist.“ Dieser Satz ist großartig, denn natürlich ist es ein Widerspruch in sich. Aber es drückt den Wunsch aus, sich den eigenen Träumen hinzugeben und dem oft ernüchternden Alltag zu entfliehen. Abgesehen von dem Buch befasst sich noch ein zweites meiner Projekte mit Kartografie. Es ist nichts Literarisches, sondern eine Kunstinstallation, die ich gemeinsam mit einem guten Freund, Adam Lowe von Factum Arte, entwerfe. Wir wollen eine dreidimensionale Reliefkarte der Erde anfertigen. Sie würde in etwa so groß wie ein Fußballfeld sein und aus hunderttausenden unterschiedlich langen Holzpfählen bestehen, die in den Boden eingeschlagen werden. Der ideale Standort für unsere Installation wäre Venedig, denn wir würden die Karte fluten, um darauf hinzuweisen, dass die Welt infolge des steigenden Meeresspiegels allmählich ertrinkt. Unser Problem mit diesem Projekt ist, dass wir 1,5 bis 2 Millionen Euro an Fördergeldern benötigen. Momentan sieht es nicht danach aus, als könnten wir diese rasch auftreiben.  

Afrika, aufgebläht zu einem Ballon: Das Kartogramm aus dem Projekt World Mapper zeigt die globale Verbreitung von Aids. | © Copyright Sasi Group (University of Sheffield) and Mark Newman (University of Michigan)

Angenommen, Sie werden gebeten, eine Karte von der Welt von heute zu erstellen: Welche Tools würden Sie verwenden, und wie würde die Karte aussehen?

Das ist eine sehr gute Frage, aber hier stoße ich an meine beruflichen Grenzen. Wie ich bereits gesagt habe, bin ich kein Geograf. Ich untersuche die Geschichte von Landkarten und meine Aufgabe ist, darauf aufmerksam zu machen, wie Karten funktionieren, was sie in ihren Betrachtern auslösen und was sie ihnen vorenthalten. Die letzten Zeilen meines Buches lauten: „So etwas wie eine ‚zutreffende‘ Karte der Welt gibt es nicht und wird es niemals geben. Das Paradox besteht darin, dass wir über die Welt ohne Karte nicht Bescheid wissen können, sie aber auch nie definitiv mit einer Karte werden darstellen können.“ Damit spreche ich das Problem an, dass alle Karten subjektiv und unvollständig sind. Und damit ist auch klar, dass ich wahrscheinlich nie in die Situation geraten werde, dass ich eine Karte mit voller Überzeugung empfehlen kann. Ich werde immer das Bedürfnis verspüren, zur Vorsicht aufzurufen und zu sagen: Schauen Sie, was die Karte nicht zeigt und was die Motive für die Entstehung der Karte sind! Natürlich werde ich häufig darum gebeten, Karten zu empfehlen, aber das mache ich nicht. Es gibt ein einziges Projekt, das ich anderen ans Herz legen kann, weil es explizit darlegt, worauf es hinaus will – nämlich, uns mit akuten globalen Problemen konfrontieren. Das Projekt heißt World Mapper und wird von Danny Dorling, einem ausgebildeten Geografen und Professor in Oxford, geführt. Dorling verwendet als Grundlage die Mercator-Projektion und verzerrt sie, indem er sie mit verschiedenen Datensätzen überlagert. Seine Kartogramme liefern ein bizarres Bild von der Welt. Zum Beispiel hat Dorling die HIV-Verbreitung kartiert: Hier bläst sich Afrika bläst zu einem Ballon auf, während Europa, Nordamerika und Japan aus der Wahrnehmung verschwinden. Im Kartogramm über das BIP sehen die einzelnen Kontinente plötzlich ganz anders aus: Afrika schrumpft ins Nichts und Europa wird riesengroß.

Mehr über das Siegerbuch erfahren:  Leseprobe

Das Interview wurde auf Englisch geführt.

„Kinder haben ein Anrecht auf eine vernünftige Antwort“

Karolin Küntzel hat mit „Wo kommt das her?“ das Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Junior-Wissensbücher verfasst. Im Interview erklärt sie, wieso das Schreiben für Kinder eine größere Herausforderung als das Schreiben für Erwachsene ist, warum sie lieber an vielen Themen arbeitet als Expertin für ein bestimmtes Thema ist und weshalb auch Erwachsene mehr Fragen stellen sollten.

wissenschaftsbuch.at: Frau Küntzel, was ist Ihr Lieblingsgericht? Geben Sie beim Einkaufen der Zutaten auf die Herkunft der Lebensmittel Acht?

Die eine Lieblingsspeise habe ich nicht. Ich bin eher der Beilagenmensch. Wenn ich ins Restaurant gehe, suche ich mir das Gericht nach den Beilagen aus. Die Hauptzutat, zum Beispiel, welches Fleisch serviert wird, interessiert mich oft erst auf den zweiten Blick. Ich esse total gerne Gemüse und Obst, in der Regel das, was die Saison gerade hergibt. Ich habe das Glück, dass ich im ländlichen Raum lebe, wo noch recht viele Bauern in der Nähe sind. So habe ich die Möglichkeit, auch in Hofläden einzukaufen. Ich kaufe meistens frische Sachen, schon fertig Zubereitetes eher selten. Meine Tochter isst, so wie wohl jedes Kind, gern Hähnchen-Nuggets. Wenn ich fertige Nuggets für sie kaufe, gucke ich aber schon ganz genau auf die Packung, weil es mich interessiert, was da drin ist. Ich nehme dann zum Beispiel nichts, wo die Stücke zusammengeklebt sind oder wo weniger Hähnchen enthalten ist als Panade.  

Wo kommt das her? Coverausschnitt

Das Buch begibt sich auf die Spur der Dinge, die wir täglich nutzen.

Ihr Buch „Wo kommt das her?“ verfolgt den Herstellungsprozess für mehr als dreißig Alltagsgegenstände vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Die Frage nach dem Ursprung und dem Weg der Konsumgüter bis zu den VerbraucherInnen hat mit dem wachsenden Nachhaltigkeitsbewusstsein in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Daher würde Ihr Thema sicherlich auch bei vielen erwachsenen LeserInnen auf Interesse stoßen. Dennoch haben Sie sich dafür entschieden, ein Sachbuch für Kinder zu verfassen. Warum?

Erwachsene nehmen Dinge oft einfach so hin, wie sie sind. Sie trauen sich nicht, Fragen zu stellen oder kommen nicht auf die Idee, genauer nachzufragen. Da macht sich kaum jemand Gedanken darüber, wie der Kühlschrank funktioniert, solange nicht, bis er kaputt ist. Da denkt auch keiner darüber nach, was mit Seidenraupen passiert. Kinder haben einen viel unbefangeneren Zugang zu Dingen, die sie nicht kennen. Sie sind von Natur aus neugierig und es ist ihnen auch noch nicht peinlich, zu fragen. Meine Tochter hat mir von Anbeginn an immer wieder ein Loch in den Bauch gefragt wegen aller möglichen Dinge. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dass Kinder eine ehrliche und vernünftige Antwort erwarten können, dass man Fragen nicht abtun kann, dass es also so etwas wie ein Anrecht auf eine vernünftige Antwort gibt. Kinder sind dankbar, wenn sie eine ausführliche Antwort bekommen. Sie finden das sehr erfrischend und spannend und können das auch zugeben. Darum ist es schön, für Kinder zu schreiben.  

Türkei

Der asiatische Kontinent ist seit der Antike für edle Gewürze und Seidenstoffe bekannt.

Was ist anders bzw. besonders, wenn man nicht für Erwachsene, sondern für Kinder schreibt?

Beim Recherchieren für ein Kinderbuch gehe ich anders heran als für ein Erwachsenenbuch. Um ein Kinderbuch schreiben zu können, muss ich selbst viel mehr von der Materie verstanden haben, als ich es müsste, wenn ich für Erwachsene schreibe. In Büchern für Erwachsene muss ich als Autorin nicht jedes Fremdwort hinterfragen und erklären. Ich setze einfach voraus, dass etwas schon bekannt ist. Aber Erwachsenensprache kann manchmal so schwer verständlich sein, dass es auch den Erwachsenen schwerfällt, nachzuvollziehen, was gemeint ist. Es gibt wahnsinnig viele Texte – Literatur, hochwissenschaftliche Studien – zu wirklich interessanten Themen, an denen viele Leute scheitern, weil sie zu komplex geschrieben sind. Strotzt ein Text nur so vor Nebensätzen und Fachwörtern, ist die Hemmschwelle, sich den Inhalten zu nähern, sehr groß. Dann haben auch viele Erwachsene keine Lust mehr, weiterzulesen und sich mit den Thema zu befassen. Für ein Kinderbuch muss ich das Thema bis ins kleinste Detail durchdrungen haben. Erst dann kann ich mich einfach ausdrücken. Genau darin liegt die Herausforderung: komplexe Sachverhalte so darzustellen, dass sie für jedermann verständlich sind, egal ob es ein Kind oder ein Erwachsener liest. Wichtig ist, dass der Text niederschwellig formuliert ist, dass er einen leichten Zugang bietet. Häufig geht es schneller, für Erwachsene als für Kinder zu schreiben. Nur weil Kinderbücher wesentlich einfacher wirken, sind sie deswegen ja nicht einfacher gemacht.

Was können auch Erwachsene aus Ihrem Buch lernen?

Also ich denke, da gibt es einiges, was Erwachsene genauso wenig wissen wie Kinder. Zum Beispiel habe ich von Erwachsenen mehrmals die Rückmeldung bekommen, dass sie auch nicht wussten, wie Seide von Seidenraupen gewonnen wird. Dass dafür Raupen getötet werden, war einigen von ihnen völlig neu. Ein gutes Kinderbuch kann auch für Erwachsene eine Bereicherung sein. Wenn ich für Erwachsene recherchiere, schaue ich mir auch Kinderbücher zu dem Thema an. Um einen ersten Zugang zu einem Thema zu bekommen, kann ein gutes Kinderbuch sehr hilfreich sein, unabhängig davon, dass man später noch viel tiefer recherchieren und sich vielleicht auch wissenschaftliche Texte und Statistiken angucken muss.  

suedafrika

In Afrika werden Metalle und Edelsteine in beachtlichen Mengen abgebaut.

Sie haben schon zu vielen verschiedenen Themen Sachbücher und Ratgeber publiziert. Welche Vorteile, aber auch Herausforderungen bringt es mit sich, nicht nur ein einziges Fachgebiet zu haben, sondern sich bei jedem Buchprojekt auf ein neues Thema einzulassen?

Für mich ist es genau das Richtige, mich ständig mit anderen Themen zu beschäftigen. Jedes neue Buch macht Spaß und langweilig wird mir dadurch auch nicht. Es macht Freude, in Regionen abzutauchen, die ich mir vorher noch nicht so genau angeguckt habe. Deshalb ist es auch immer wieder schön, wenn Verlage anfragen, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu diesem oder jenem Thema zu machen. Oft kann ich es mir vorstellen. Oft arbeite ich auch an mehreren Projekten parallel, die von der Thematik her unterschiedlich sind. Das finde ich großartig. Egal, welches Thema es ist: Ich lerne immer noch etwas dazu, werde also mit jedem Buch selbst ein Stück klüger. Dieses breite Themenspektrum kann aber auch ein Problem sein. Nicht für mich, aber für andere Menschen. Schnell steckt man dann in einer Schublade und die Arbeit wird als oberflächlich abgewertet, wenn man sich nicht ausschließlich nur mit einem Thema beschäftigt. Ich habe das Gefühl, es ist eine typisch deutsche Mentalität, dass Expertentum höher bewertet wird als ein breites Themenspektrum. Es wird erwartet, dass man sich in ein einziges Thema oder Hobby verbeißt und dann nicht mehr nach links oder rechts guckt. Über viele Themen zu schreiben, macht mehr Arbeit, denn ich muss für jedes neue Thema neu recherchieren, was viel Zeit kostet. Das hätte ich nicht, wenn ich mich immer nur mit einem Sujet beschäftigen würde. Inzwischen bekomme ich aber auch immer mehr Aufträge für Bücher, die in dieselbe Richtung gehen wie etwas, das ich schon einmal zuvor gemacht habe, zum Beispiel Kindersachbücher über Tiere. Da profitiere ich dann natürlich von dem, was ich schon früher einmal recherchiert habe. Aber wenn ich das Gefühl hätte, dass ich nichts mehr lerne, sondern nur noch aus meinem Fundus heraus produziere, wäre mir bald langweilig und ich würde vermutlich den Spaß an meiner Arbeit verlieren. Das wäre dann ja, wie immer nur von sich selbst abzuschreiben. Mich und mein Umfeld bereichert es, mich jedes Mal mit großer Begeisterung auf ein neues Thema zu stürzen. Dann berichte ich allen davon, was ich wieder Spannendes herausgefunden habe. Also ich möchte das nicht anders haben für mich.  

Portugal

Der Süden Europas versorgt den gesamten Kontinent mit Obst und Gemüse.

An welchem Projekt oder welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

Ich arbeite gerade parallel an zwei Büchern: Erstens mache ich ein neues Kindersachbuch über den Sternenhimmel. Ich lerne also gerade ganz viel über Sterne, was es für Sternschnuppenströme gibt und wann man was am Himmel sehen kann. Außerdem fange ich gerade mit einem Reiseführer für Kinder für die Ostseeküste an. Dafür werde ich den Sommer über unterwegs sein und mir viele Dinge angucken, die für Kinder interessant sein könnten. Es gibt noch ein drittes Projekt, das mich seit einiger Zeit begleitet: einen Naturblog, auf dem eine Kollegin und ich dreimal in der Woche schreiben. Dieser Blog ist aus der Idee heraus entstanden, dass wir immer wieder auf Themen stoßen, die uns interessieren, aber die wir in Büchern oder anderen Publikationen nicht unterbringen können. Meine Motivation für den Blog ist ähnlich wie für meine Bücher. Das geht dann auch wieder in die Richtung, meine eigene Neugier zu befriedigen. Wenn ich irgendetwas entdecke und denke: „Was hat es denn damit auf sich?“ – dann finde ich das für den Blog heraus.

Auf der letzten Doppelseite von „Wo kommt das her?“ gibt es ein Quiz mit 21 Fragen. Wie viele davon konnten Sie selbst auf Anhieb richtig beantworten?

Ich kann das nicht auf die Frage genau beantworten, aber ich würde sagen: Die Hälfte bis drei Viertel waren mir bekannt, und den Rest habe ich durch Recherche gelernt. Mit Sicherheit war mir vorher selbst nicht so klar, auf welche verschiedenen Arten man Salz gewinnen kann und was in einem Salzbergwerk so vor sich geht. Also da gibt es schon einige Dinge, die ich über die Arbeit am Buch gelernt habe. Und das ist schön. Man wird nicht dümmer mit solchen Dingen.

Mehr über das Siegerbuch erfahren: Leseprobe